Wenn die Realität klopft und lacht
Als frisch gebackene Eltern, die sich vor acht Jahren mutig ins Abenteuer Familienplanung gestürzt haben, dachten wir, wir hätten den Dreh raus. Wir machten es uns bequem im Land der festgelegten Rollen. Ich, die Mutter, schloss in Rekordzeit meine Ausbildung ab, trotz Schwangerschaft und alles.
Mein Mann? Ein begnadeter Vollzeit-Papa.
Er schmiss seine Selbstständigkeit hin, als er merkte, dass sein Business-Plan „Kind nebenbei“ nicht aufging, und wurde der ultimative Abenteuer-Papa. Unsere Tochter musste nicht in den Kindergarten. Warum auch? Sie hatte ja ihren eigenen Freizeitpark zu Hause. Mit Papa gab’s jeden Tag ein neues Abenteuer.
Jahrelang lief unser Leben wie ein Schweizer Uhrwerk. Ich hatte einen Job, der mir gefiel, ein tolles Team, und ich wusste genau, dass, egal was kam, zu Hause alles lief. Der Haushalt, die Termine, das Essen – alles geregelt. Ein Luxus, der so selbstverständlich schien wie die Luft zum Atmen.
Aber dann… die Schule. Und mit ihr die unausweichliche Erkenntnis: Das Kind wird älter. Die Abenteuer mit Papa werden durch Klassentreffen, Elternabende und Verabredungen mit anderen Kindern ersetzt. Gleichzeitig hatte mein Mann ein fast schon gefährliches Verlangen danach, wieder zu arbeiten. Der erste Versuch landete im Desaster – ein Griff ins Klo, wie man so schön sagt. Ein Arbeitsplatz, wo die einzige Konstante das Chaos war. Absolut nichts für einen Menschen, der so geordnet denkt, dass er am liebsten in seiner Freizeit Festplatten formatiert.
Doch wer den Beruf des Vollzeit-Papas an den Nagel hängt, gibt nicht auf. Er fand seinen Weg. In einem Bereich, der so unerwartet ist wie ein Elefant im Porzellanladen, wenn man die bisherigen Berufe meines Mannes kennt. Nach fünf abgeschlossenen Ausbildungen in den Bereichen Recht, Sicherheit, Personenschutz, Ermittlungsdienste und dem ganzen Zeug, schraubt er jetzt Fahrräder zusammen.
Fahrräder! Und er ist glücklich. Ich habe ihn lange nicht mehr so glücklich gesehen. Er hat seinen Platz gefunden, mit ehrlichen Leuten und einer Struktur, die so stabil ist wie ein Stahlturm.
Jetzt haben wir also beide Jobs. Und mit dem neuen Arbeitsglück meines Mannes kommt für mich eine neue, ungemütliche Realität. Der große Spagat. Der Spagat zwischen der Mutter, die jederzeit für ihr Kind da ist, und der Arbeitskraft, die von ihrem Job begeistert ist.
Plötzlich müssen wir uns abstimmen. Dienste anpassen, Termine jonglieren, und die unvermeidliche Frage: Was, wenn das Kind krank wird?
Früher war die Antwort einfach: Papa ist da. Jetzt haben wir beide feste Arbeitszeiten. Seine sind in Stein gemeißelt. Keine Wechselschichten, keine Spielräume. Ich habe bereits den Luxus, am Wochenende frei zu haben. Und nun, weil ich die Eltern-Pfeife spielen muss, kann ich außer Montags und Dienstags keinen Spätdienst mehr machen. Es fühlt sich an wie ein Verbrechen, das „Mama-Joker-Ticket“ zu ziehen.
Ich mag meine Arbeit. Ich mag mein Team. Und ich frage mich, wie viel Entgegenkommen mein Arbeitgeber noch für mich übrig hat, bevor er mir eine Kündigung auf den Tisch legt.
Am Ende des Tages ist es einfach so: Wir arbeiten, um uns ein Leben zu leisten. Aber für mich ist mein Job mehr als nur eine Einnahmequelle. Es ist ein Teil von mir. Und jetzt stehe ich hier, mit einem Fuß im „Mamaland“ und dem anderen im Arbeitsleben, und versuche dabei nicht in der Mitte „auseinander zu brechen“.
Ja, ich versuche diesen Spagat zu schaffen und mir dabei nicht das Kreuz zu brechen.
Mein Mann bekommt das wunderbar hin da muss man sich keine sorgen machen.
Ich halt euch auf den laufenden …
Krankmeldung-Update:
Der Segen des Schicksals (oder so ähnlich)
Na, wer hätte das gedacht?
Kaum habe ich meine tiefen Ängste über das krank werden des Kindes.. (oder was auch immer ich da schwadroniert habe) beendet, hat uns die Realität mit einem charmanten Husten und einer leichten Fieberwelle beehrt.
Es hat uns erwischt.
Und zwar so gründlich, dass es schon fast lyrisch ist. Man könnte meinen, ich hätte es mit meinem letzten Beitrag heraufbeschworen – danke, Universum, für die prompte Lieferung meiner persönlichen Dosis Elterndrama.
Aber halt! Bevor ihr jetzt alle die Taschentücher zückt und mir virtuelle Hühnersuppe schickt: Es war… kein Problem. Ich wiederhole: KEIN PROBLEM.
Ich durfte heute also das erste Mal in die heiligen Hallen der „Kind Krank„-Bürokratie eintreten. Und wisst ihr was? Es war so schockierend unkompliziert, dass ich fast enttäuscht war. Keine dreistündige Wartezeit beim Kinderarzt. Keine verwirrenden Formulare, die einen Mathe-Leistungskurs erfordern, um sie auszufüllen. Es war, als hätte man mir einen Schokoriegel versprochen und dann… einfach einen Schokoriegel gegeben. Ohne Haken. Die ganze Aufregung, die ich mir im Vorfeld zusammengesponnen hatte? Völlig unnötig.
Dieses Erlebnis lehrt mich mal wieder: Wir Mütter (und Väter, natürlich, um Himmels willen) sind wahre Meister der Selbstgeißelung. Wir malen uns Katastrophen aus, wo am Ende nur ein schnöder Anruf oder eine kurze E-Mail nötig gewesen wäre. Man denkt immer, die Welt bricht zusammen, wenn man den heiligen Gral der Krankmeldung beantragt. Papperlapapp!
Also, falls ihr auch gerade am Rand des „Kind Krank“-Abgrunds steht: Atmet tief durch. Es ist wahrscheinlich viel, viel einfacher, als euer übermüdeter, koffeinabhängiger Eltern-Verstand euch gerade weismachen will.
Oder ich hatte einfach nur Glück. Das ist natürlich auch eine Option.
Jetzt entschuldigt mich, mein Patient verlangt nach einer weiteren Runde „Paw Patrol“ und einer maximal ungesunden Mischung aus Gummibärchen und Liebe. Die Genesung ist im vollen Gange – zumindest für das Kind. Meine Nerven… nun ja, die warten auf den nächsten Blogeintrag.

Habt ihr auch schon so ein irrational kompliziert gedachtes Eltern-Erlebnis gehabt, das sich dann als Kindergeburtstag herausstellte? Erzählt mir davon!
