Kennt ihr das? Kaum hat man das WLAN eingerichtet, beschweren sich die Kinder über die zehnte YouTube-Werbung. Das Cloud-Abo ist schon wieder voll, und der nächste Streaming-Dienst lockt mit einem Sonderangebot, das trotzdem irgendwie ins Geld geht. Genau hier kommt ein kleiner Freund ins Spiel, der weder viel Platz noch viel Strom braucht: der Raspberry Pi.
Dieser Mini-Computer, kaum größer als eine Spielkarte, ist ein echtes Allround-Talent für den Familienalltag.
Er hilft dabei:
- Werbung im gesamten Heimnetz zu blockieren (mit Pi-Hole)
- private Fotos und Videos direkt auf dem eigenen Server zu speichern – ohne Cloud-Abo
- die eigene Musik-, Film- und Seriensammlung selbst zu streamen, mit Programmen wie PLEX
- eine IP-Kamera einzubinden, kleine Webserver zu betreiben oder Kinder an Programmierung heranzuführen
- und vieles mehr – vom Smart-Home-Controller, über eine Retro-Gaming-Station, bis hin zu einem Sprachassistenten wie Alexa, Siri & Co !
- und das Alles ohne dabei eure Privatsphäre und persönliche Daten von zu verschenken !
Das Beste daran:
- Günstig: schon ab 40 Euro (je nach Modell und Zubehör)
- Energiesparend: verbraucht weniger Strom als eine LED-Lampe
- Platzsparend: passt in jede Schublade oder hinter den Fernseher
- Privat: keine großen Konzerne sehen mehr eure Fotos, Filme oder Surfgewohnheiten – eure Daten bleiben zu Hause
- Flexibel: lässt sich mit PC oder Smartphone steuern
Worum geht es in dieser Reihe?
Wir bauen gemeinsam ein Multi-Tool für den Familienhaushalt – einen Server, der Vieles kann und euer digitales Zuhause sicherer macht. Dabei ist es viel günstiger als die meisten bezahlten Spione .. äähh Dienste wie Netflix, Spotify, Google oder Apple Clouds. All eure persönlichsten Daten wie z.B. die Fotos von euren Handys liegen dann auf der Festplatte im Wohnzimmer, statt auf einem Server von Google, Apple & Co.
Diese Beitragsreihe zeigt Schritt für Schritt:
- wie ihr den Raspberry Pi einrichtet und die Software aktualisiert
- wie ihr ihn in einen Medienserver mit PLEX verwandelt
- wie ihr eine eigene Daten-Cloud einrichtet
- wie ihr mit Pi-Hole eure Privatsphäre enorm im Internet steigert
- wie ihr den Server immer weiter ausbaut …
Diese Anleitung ist die Basis für alle anderen Anwendungen. Bereitet euren Pi vor, in dem ihr diese Anleitung beendet, und ab dann könnt ihr bei jeder Anleitung dieser Reihe wieder einsteigen. Die Anleitungen sind so geschrieben, dass sie immer an diese Anleitung ansetzt und ansonsten keine weiteren Voraussetzungen erfüllt, oder Wissen mitgebracht werden muss. Wirklich jede Leserin und jeder Leser mit einem verfügbarem PC kann diese Anleitungen erfolgreich umsetzen – egal, ob man so ein Projekt zum ersten Mal startet, oder schon Erfahrungen mit Linux hat.
Was brauchen wir für den Start?
Hier die Einkaufsliste:
- Raspberry Pi (Modell 3B+, 4 oder 5 – je neuer, desto schneller)
- Micro-SD-Karte (mindestens 16 GB, besser 32 GB; Class 10 oder höher)
- Netzteil (passend zum Pi, z. B. 5V 3A USB-C für Pi 4/5)
- Gehäuse passend zum Pi (schützt vor Staub und neugierigen Fingern)
- Netzwerkkabel (besonders hilfreich für den Anfang)
- Computer oder Laptop für die Einrichtung
Optional:
- Kühlkörper oder Lüfter (falls der Pi später stärker ausgelastet wird)
- USB-Adapter für die SD-Karte (falls euer PC keinen SD-Slot hat)
AUF GEHTS !
SD-Karte vorbereiten – Schritt für Schritt
Damit der Raspberry Pi starten kann, braucht er ein Betriebssystem auf der SD-Karte. Wir nehmen Raspberry Pi OS Lite. Das reicht völlig aus, weil wir alles über den PC steuern und keine grafische Oberfläche benötigen. Wenn du deinen Pi an einen Monitor anschließen möchtest (z.B. für eine Game-Station) dann solltest du die Desktop-Version wählen.
Was brauchen wir?
- Einen Rechner mit Internet
- Die Micro-SD-Karte (und ggf. einen USB-Adapter, wenn euer Rechner keinen SD-Slot hat)
1. Raspberry Pi Imager herunterladen und installieren
Geht auf die Seite https://www.raspberrypi.com/software/. Dort ladet ihr den Raspberry Pi Imager herunter. Es gibt Versionen für Windows, macOS und Linux.
Installiert den Imager wie jedes andere Programm. Bei Windows bedeutet das: Datei doppelklicken, Anweisungen folgen (Weiter, Installieren, Fertigstellen).
2. Imager starten und Betriebssystem auswählen

Startet den Raspberry Pi Imager.
Klickt auf „Choose OS“ und wählt:
- Raspberry Pi OS (other)
- Raspberry Pi OS Lite (64-bit)
3. Speicherziel wählen
Klickt auf „Choose Storage“ und wählt eure Micro-SD-Karte aus. Achtet darauf, das richtige Laufwerk auszuwählen, damit nichts anderes auf dem PC gelöscht wird.
4. Einstellungen anpassen (Advanced Options) !!
Im Imager gibt es ein kleines Zahnrad („Voreinstellungen“ oder „Advanced Options“). Klickt darauf.
Hier stellt ihr ein:
- SSH aktivieren (wählt Passwort-Authentifizierung)
- Benutzername (z. B. pi)
- Passwort (setzt ein eigenes sicheres Passwort)
- WLAN konfigurieren (nur wenn ihr WLAN nutzen wollt: SSID, Passwort, Ländercode z. B. DE)
- Hostname setzen (z. B. familienpi.local)
Wenn ihr kein WLAN einrichten wollt, weil ihr per Netzwerkkabel startet, könnt ihr diesen Schritt auslassen.
5. Image schreiben
Klickt auf „Write“. Der Imager lädt das Betriebssystem herunter (das dauert ein paar Minuten) und schreibt es auf die SD-Karte. Zum Schluss kommt die Meldung „Write Successful“.
Jetzt könnt ihr die SD-Karte sicher auswerfen.
Der erste Start
Raspberry Pi starten
Steckt die SD-Karte in den Raspberry Pi.
Schließt ein Netzwerkkabel an (oder sorgt dafür, dass euer WLAN bereit ist).
Steckt das Netzteil ein. Der Pi startet jetzt automatisch. Nach etwa einer bis zwei Minuten ist er betriebsbereit.
Mit dem Raspberry Pi verbinden (SSH)
Jetzt verbinden wir uns vom PC aus mit dem Raspberry Pi. Öffnet ein Terminal (Mac oder Linux) oder PowerShell oder Putty (Windows).
Gebt ein:
ssh pi@familienpi.local
Wenn ihr den Hostnamen nicht findet, schaut im Router nach, welche IP-Adresse euer Pi bekommen hat, und verbindet euch so:
ssh pi@192.168.xxx.xxx
Beim ersten Mal fragt euer Computer, ob er die Verbindung erlauben soll. Tippt yes. Dann gebt euer Passwort ein (das ihr beim erstellen der SD-Karte gesetzt habt). Jetzt seid ihr auf dem Raspberry Pi eingeloggt.
System updaten
Damit euer Pi auf dem neuesten Stand ist, führt folgende Befehle aus:
sudo apt update
sudo apt upgrade -y
sudo apt autoremove -y
Das kann ein paar Minuten dauern (abhängig vom SetUp). Lasst ihn einfach laufen und erledigt etwas Anderes.
Passwort ändern (falls nötig)
Falls ihr beim Imager kein eigenes Passwort gesetzt habt, ändert es jetzt mit:
passwd
Folgt den Anweisungen und setzt ein starkes Passwort.
Was kommt als Nächstes?
Ich werde versuchen immer zeitnah einen neuen Beitrag für diese Serie zu schreiben. In den nächsten Beiträgen installieren wir Programme wie z.B.:
- Pi-Hole
(Damit wird euer Heimnetz von Werbung und Trackern befreit) - Plex
(Video, Audio, Streaming, TV, … das beste Multimedia Portal) - Sprachassistenten
(deine persönliche offline-Alexa, die dich nicht ausspioniert) - Cloud
(zum Speichern deiner Fotos, Videos, und alle anderen Dateien) - Web-Server
(erstelle deine eigene Website, Blog, Galerie, … ohne hohe Kosten) - u.V.m
