Kennt ihr das? Dieses kurze, fatale Zeitfenster von etwa drei Sekunden, in dem mein Hirn eigentlich „Lauf weg!“ schreit, mein Mund aber bereits ein fröhliches „Logisch, gar kein Problem!“ flötet? Herzlichen Glückwunsch, ihr habt gerade die Goldmedaille im chronischen Ja-Sager-Tum gewonnen. Ich bin eure amtierende Weltmeisterin
Die „Kannst du mal eben“-Falle
Neulich erst wieder im Dienst: „Du, wir sind unterbesetzt, das Übliche – kannst du einspringen?“ Mein Verstand so: Du hast seit zwei Tagen nicht geduscht, die Wäscheberge im Flur planen eine feindliche Übernahme und dein einziges Hobby ist es momentan, die Wand anzustarren. Meine Stimme so: „Sicher, ich schieb das dazwischen. Schlafen wird eh völlig überbewertet. Wer braucht schon Erholung, wenn er Adrenalin und Kaffee hat?“
Das Schul-Drama: „Wir bräuchten da noch jemanden...“
Und als ob der Wahnsinn im Altenheim nicht reicht, kommt das nächste Level: Die Schule. Wer hätte gedacht, dass „Minibausl“ in die Schule zu schicken bedeutet, dass ich plötzlich einen Zweitjob als Eventmanagerin, Bäckerin und Bastel-Göttin habe? „Könnte eine Mutter vielleicht für den Basar…“ – und zack, habe ich zugesagt, 50 zuckerfreie Dinkel-Einhörner zu klöppeln, während mein Mann mich zu Hause fragt, wo eigentlich seine Socken sind. (Spoiler: Ich weiß es auch nicht, wahrscheinlich haben sie sich aus Protest selbst verbrannt.)
Warum machen wir das?
Weil wir diese wunderbare, tief sitzende Angst haben, dass die Welt implodiert, wenn wir mal nicht die Feuerwehr spielen. Dass die Kollegen im Heim denken, man lässt sie im Stich, oder dass die anderen Schulpflegschafts-Mütter einen für eine egoistische Zicke halten. Aber ganz ehrlich: Seit wann ist „Ich will einfach nicht“ eigentlich kein anerkannter medizinischer Grund mehr?
Wie wir das (vielleicht) lernen: Mein Überlebensplan
Ich übe jetzt. Hart. Hier ist mein Schlachtplan für uns chronisch Überlastete:
- Die 10-Minuten-Sperre: Ich antworte auf keine Anfrage mehr sofort. Weder per Telegram noch zwischen Tür und Angel im Flur. Wenn mich jemand fragt, ob ich eine Schicht übernehmen kann, starre ich wichtig auf mein Handy und sage: „Ich muss erst prüfen, ob das mit meinem Terminkalender korreliert.“ (Termin: Ich, die Couch und eine Packung Nervennahrung.)
- Der Spiegel-Check: Ich stelle mich vor den Spiegel und sage laut „Nein“. Ohne Erklärung. Ohne Entschuldigung. Ohne dabei das Gesicht zu verziehen, als hätte ich gerade in eine Zitrone gebissen. „Nein“ ist ein vollständiger Satz, Leute!
- Prioritäten-Check: Wenn ich zu einer Extra-Schicht Ja sage, sage ich automatisch Nein zu meinem Restfunken Zurechnungsfähigkeit. Und glaubt mir, den brauchen Minibausl und ich dringender als der Dienstplan eine lückenlose Besetzung.
Also, das nächste Mal, wenn die Frage kommt: Atmet tief durch. Zählt bis drei. Und dann probiert es mal mit einem: „ Nein ich hab keine Zeit.“

