Der undankbarste Job der Welt? Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen
„Ist ja für die Kinder.“ „Man hat schneller Infos und Mitspracherecht.“ „Kann sehr viel Spaß machen“, haben sie gesagt. Bullshit! Es ist der undankbarste Job der Welt.
Hallo, ich bin Mama BausL, und was soll ich sagen: Ich bin nun fast ein Jahr Elternvertreterin an der Schule unserer Tochter. Und wenn Sie dachten, das sei ein Zuckerschlecken, dann halten Sie sich fest.
Die Illusion des ersten Schultags und die Realität des Informationsflusses
Jeder kennt es: Der erste Schultag. Alles neu, super spannend, und wir Eltern sind stolz wie Bolle. Die Kinder leben sich schnell ein, alles läuft super – hofft man! Meine Tochter beherrscht Kommunikation wie keine Zweite, redet ohne Punkt und Komma. Aber auf Fragen wie: „Wie ist die Schule?“, „Hast du Spaß?“ kommt nur ein schlichtes „Gut.“ oder ein „Ja.“ Wichtige Infos? Fehlanzeige. Dafür weiß ich, dass Ben und Theo Pokémon voll cool finden und Lynn super tanzen kann. Aber ob sich meine Tochter wohlfühlt? Ob sie zurechtkommt? Nichts dergleichen. Da hofft man dann auf den ersten Elternsprechtag. Endlich Informationen, denkt man.
Die unglückliche Wahl zur Elternvertreterin

Der erste Elternabend. Papa BausL und ich losten im Schnick-Schnack-Schnuck-Verfahren aus, wer die „Arschkarte“ zieht und hingehen muss. Ich war die Loserin, und so fand ich mich mit meinem Notizzettel voller Fragen im Klassenzimmer wieder. Die Vorstellungsrunde zog sich, und dann kam der Moment: Die Wahl der Elternvertretung. Bloß kein Blickkontakt! Eine Person nach der anderen wurde aufgestellt. Doch aus mir unerfindlichen Gründen hob ich meinen Arm. „Wie schön, Frau BausL!“, sagte die Klassenlehrerin meiner Tochter. Hatte ich das wirklich getan? Was Stimmt den mit mir nicht?
WhatsApp-Listen wurden erstellt. „Ja!“, dachte ich, „so komm ich wieder raus.“ Tja, Pech gehabt. Ich habe kein WhatsApp. „Sie sind ja Nr. 4“, rief ein Vater rein, „Sie werden bestimmt nur hier und da aushelfen. Zur Not gibt es Rauchzeichen!“ Zuhause verkündete ich die frohe Botschaft. Papa BausL grinste nur und fragte: „Und sollte man dafür nicht diplomatisch und geduldig sein?“ Fähigkeiten, die nicht gerade zu meinen Stärken gehören. Ganz im Gegenteil. Wenn mir etwas nicht passt oder ich jemanden nicht leiden kann, sieht man mir das aus zehn Metern Entfernung an. Keine gute Voraussetzung also, um zwischen einer resoluten Lehrerin und über-engagierten Eltern zu vermitteln. Aber ich war ja Nr. 4 – ohne Smartphone, ohne WhatsApp. Wird schon schiefgehen.
Wenn Kleinigkeiten zu großen Dramen werden
Einige Tage später ging es los: „Hallo! Du bist ja Elternvertreterin“, flüsterte mir eine Mutter ins Ohr, „es gibt da etwas, über das wir wirklich dringend sprechen müssen.“ Was war los? Schlug die Lehrerin die Kinder? Gab sie ihnen Drogen? Ein Kapitalverbrechen? Es kam noch viel schlimmer. Denn die Lehrerin entpuppte sich weder als Verbrecherin noch als Drogendealerin. Nein, der Mutter fehlte es lediglich – Achtung – an der Aufmerksamkeit der Lehrerin gegenüber den Eltern. Die Lehrerin hat nur Augen für die Kinder.
Mit meiner schonungslos direkten Art und meiner wenig verbergenden Mimik fiel es mir sichtlich schwer, nicht aus der Rolle zu fallen. „Sie kann ja wenigstens Guten Morgen sagen“, meinte die Mutter . Okay, vielleicht nicht höflich, aber wenn fünf Kinder um einen herumspringen, bekommt man nicht immer alles mit: erklärte ich. Ein langes Hin und Her. Sie fühlte sich nicht ernst genommen. Ich sagte der Mutter dann klipp und klar, dass ich die Lehrerin nicht für solchen „Mist“ belangen werde. „Warum bist du überhaupt Elternsprecherin geworden?“, begann ich mich in den 15 Minuten, die die Mutter weiter auf mich einredete, auch zu fragen.
Die Realität des Engagements: Wenn Telefonate zur Norm werden

Ständig klingelte das Telefon. Absprachen mussten getroffen werden, Verabredungen mit Schulfreunden. Ich hasse telefonieren. Daran musste ich mich gewöhnen – denn Elternvertretung Nr. 2 und Nr. 3 waren privat sehr eingebunden. Und da Nr. 1 und ich gut zusammenarbeiten konnten, übernahmen wir gemeinsam die Elternvertretung der Klasse.
Nr. 1 übernahm die Logistik und Kommunikation sowie die Weitergabe wichtiger Infos in der WhatsApp-Gruppe. Mit viel Liebe und Geduld war sie diejenige, die die Diplomatie übernahm. Ich übernahm die Gespräche persönlich direkt an der Schule. Und ob man es glaubt oder nicht: Nur auf die Klasse bezogen waren Elternvertreter und die anderen Eltern der Klasse – bis auf einige wenige Ausnahmen – ein absolutes Dreamteam.
Ob Bastelbegleitung zur Weihnachtszeit oder ein Klassenbuffet – alles war überhaupt kein Thema. Das lief erstaunlich gut. Es gab alles, was das Herz begehrt, selbst gekocht, gebacken, aus den unterschiedlichsten Nationen. Auch die Pflichttermine: Versammlungen, Konferenzen etc. waren erträglich. Manches interessant, manches absolut langweilig. Aber man bekommt halt auch viel hinter den Kulissen mit.
Was wir Eltern oft vergessen: Unsere Verantwortung

Wussten Sie, dass Lehrer sehr oft ihr Unterrichtsmaterial selbst kaufen müssen? Um z. B. neuere Arbeitsblätter für die Kinder zu haben – und nicht die aus dem Jahr 2010. Lehrer werden von uns Eltern sehr oft für Dinge verantwortlich gemacht, die eigentlich in unserer Hand liegen: Höflichkeit, Ehrlichkeit, zu wissen, wann man still sein sollte. Die Schimpfwörter, die die Kinder aus der Schule mitbringen – großes Entsetzen. Aber das ist unser Part. Papa BausL findet immer die passenden Worte, Mini BausL kann die Wörter erklären. Meist ist Mini BausL dann so geschockt, dass sie die Wörter nicht mehr nutzt. Über den Einsatz normaler Schimpfwörter hat Mini BausL bereits einen siebenjährigen Lehrgang bei Mama BausL absolviert. Sie weiß, wann es okay ist, das Wort „Scheiße“ zu benutzen – und wann halt besser nicht.
Oder das Leseproblem der Kinder. Hausgemacht. Wenn die Kinder mehr vor dem Fernseher oder der Konsole geparkt werden oder von einem Verein zum nächsten geschleppt werden – ist es ein Wunder? Wir alle kennen das. Wir alle sind kaputt von der Arbeit. Und Kinder, die sich langweilen, sind mega anstrengend. „Mama, mir ist langweilig! Mama, spielst du mit mir Uno…?“ Unsere Kinder haben vollgestopfte Kinderzimmer – mit Spielsachen, nicht Spielkonsolen. Ich rede von Lego, Puppen, Stofftieren, Autos. Und das meiste liegt nur rum.
Unsere Kinder müssen sich langweilen. Das regt den Geist an, macht kreativ, regt die Fantasie an. Das ist nicht einfach und erstmal eine harte Zeit. Aber es lohnt sich. Sagen Sie öfter mal Nein – und schicken Sie sie ins Zimmer zum Spielen. Und lest ihnen mehr vor. Es gibt Kinder, die haben vor der Schule kein Buch in der Hand gehabt. Lehrer können das nicht alles auffangen. Da sind wir Eltern klar in der Verpflichtung. Der Staat baut schon genug Druck auf die Schulen und Lehrkräfte auf. Es geht auch in den Besprechungen oft um zugesagte Gelder für die Schule – was wirklich ein Witz ist.
Ein Blick hinter die Kulissen der Schule – und unsere Rolle dabei
Ich versuche es nun mal abzukürzen: Die Lehrer und die Schule sollen unterrichten, eine Klassengemeinschaft bilden, Streit schlichten, Elterngespräche führen etc. …

Und wenn dann die Reinigungskraft die Kacke wieder nicht aus dem Jungen-Pissoir wegmachen will, der Hausmeister auch streikt und die Direktorin erstmal das Fäkalienspezialteam ordern muss – weil im Mädchenklo die Wände auch mit Stuhlgang beschmiert sind – da frag ich mich manchmal, wo die Lehrkräfte diese Motivation herbekommen. Und wir Eltern erfahren das dann von den Kindern. Wir beschweren uns in der Schule.
Vieles liegt an uns Eltern. Respekt vor fremdem Eigentum. Soziales Verhalten trainieren. Ja, ich weiß – zuhause passiert das nicht. Viel können wir selbst dazu tun. Dass die Schulen und das Schulsystem leider echt beschissen sind, liegt am Staat. Und dazu braucht es laute Eltern. Die haben nur keine Zeit, weil man nun noch mehr arbeiten muss, um über die Runden zu kommen.
Fazit: Undankbar, aber nicht sinnlos
Elternvertreter sein ist der undankbarste Job. Altenpfleger sein auch, trotzdem Liebe ich meinen Beruf. Aber als Lehrkraft hat man es auch nicht einfach. Vielleicht sind Lehrer auch insgeheim etwas verrückt. Aber wir brauchen sie und sollten ihnen mehr Respekt entgegenbringen. Mit Respekt, Ehrlichkeit, einer Menge Sarkasmus – und den richtigen Eltern – macht es auch ein wenig Spaß!

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