Es war Sonnabendmorgen, und vom Garten her wehte der Duft reifer Äpfel ins Haus. Die Bäume bogen sich unter der Last, und ein paar Früchte waren schon ins Gras gefallen.
„Heute backen wir Apfelkuchen!“, rief Papa begeistert, als er mit einem Korb voller Äpfel hereinkam. Seine Augen funkelten, als wäre er ein Kapitän, der gerade eine Schatztruhe gefunden hatte.
Mini sprang vom Stuhl. „Apfelkuchen? Mit Zuckerkruste?“
„Genau der!“, nickte Papa. „Aber diesmal machen wir den Test: Meiner gegen Mamas.“
Mama lachte und wischte sich die Hände an der Schürze ab. „Ach, du wieder. Na gut, dann wollen wir mal sehen, wer der bessere Bäcker im Haus ist.“
In der Küche ging es bald zu wie auf einem Jahrmarkt. Papa schälte die Äpfel, doch immer wieder blieben große Stücke dran. „Mehr Apfel für mehr Geschmack!“, meinte er grinsend. Mini half fleißig beim Schneiden, aber ihre Stücke wurden mal winzig, mal riesengroß.
„Das ist doch wie eine Apfelüberraschung“, sagte Papa und zwinkerte.
Mama rollte währenddessen den Teig so dünn aus, dass er fast durchsichtig war. „So macht man das“, erklärte sie geduldig. „Gleichmäßig und ordentlich.“
Nach einer Weile duftete es herrlich aus dem Backofen. Zwei Bleche standen nebeneinander:
- Mamas Kuchen, glatt, goldbraun und mit feiner Zuckerschicht.
- Papas Kuchen, krumm, buckelig, und an einer Ecke war der Teig eingerissen.
Mini sah von einem Kuchen zum anderen. „Oh je, Papas sieht ein bisschen … wild aus.“
„Pah“, meinte Papa stolz. „Der schmeckt nach Abenteuer!“
Am Nachmittag kamen Nachbar Hinrich und seine Frau Gesche vorbei. Sie brachten frische Sahne mit. „Wir haben gehört, hier gibt’s Apfelkuchen“, sagte Hinrich und zwinkerte.
Alle setzten sich an den Tisch. Mama schnitt die ersten Stücke an, und bald klapperten die Löffel auf den Tellern.
„Mamas Kuchen ist perfekt wie immer“, schwärmte Gesche. „Süß, aber nicht zu süß.“
Dann probierten sie Papas Stück. Alle waren still. Papa sah erwartungsvoll in die Runde.
Mini kaute langsam, schluckte – und sagte dann ehrlich: „Papa … deiner ist ein bisschen matschig. Aber er schmeckt trotzdem gut.“
Papa lachte laut. „Na, das ist doch was! Ein matschiger Abenteuerkuchen!“
Mama legte ihm die Hand auf die Schulter. „Das Wichtigste ist doch: Wir haben ihn zusammen gebacken.“
Am Ende war der Teller mit beiden Sorten leer. Mini lehnte sich zurück, wischte sich den Mund ab und strahlte. „Das war der beste Apfelkuchen-Test aller Zeiten.“
Papa nickte zufrieden. „Aber wisst ihr was? Nächstes Mal backen wir alle zusammen einen – und der wird bestimmt unschlagbar.“
Draußen wiegte der Wind die Äste der Apfelbäume, und die Sonne tauchte den Garten in goldenes Licht.
