Kapitel 11
Fall abgeschlossen
Später, im Gang-HQ im BausL-Garten, roch es nach Gras, Holz und einer leichten Zuckerwolke, die noch von den restlichen Kuchenkrümeln aus der mitgebrachten Schachtel in der Luft hing.
Die Laubhütte stand ein bisschen schief, aber für die Gang war sie der beste Ort der Welt. Durch kleine Lücken im Dach sah man zwischen den Blättern den Himmel.
Ben hatte sein Notizbuch auf die Knie gelegt. „Fall 002: Das Geheimnis der alten Backstube“, las er vor. „Zusammenfassung: Kein Diebstahl, sondern eine Versteckaktion aus Sorge. Lösung durch Beobachtung, Gespräche im Altenheim und Erinnerungen.“
„Und durch ein Bauchgefühl, dass nichts wirklich verloren ist, wenn man nachdenkt“, sagte Gloria.
„Und durch Kuchen“, ergänzte Filiz.
„Wir sollten eine Skala einführen“, meinte Lynn. „Von eins bis fünf Kuchen für die Schwierigkeit eines Falls.“
„Dieser war mindestens eine Drei“, sagte Ben. „Wegen der falschen Spur am Hafen, den vielen Verdächtigen und dem langen Suchen.“
Er zog seinen Stift und setzte neben „Fall 002“ einen großen, grünen Haken. Dann schrieb er darunter: „Merksatz: Nicht alles, was verschwindet, ist gestohlen. Manches ist nur zu gut versteckt.“
Gloria lehnte sich zurück und sah durch eine Lücke im Blätterdach in den Himmel. Die Wolken zogen langsam vorbei wie gemütliche Schiffe. Ein paar Blätter raschelten leise im Wind.
„Was glaubt ihr“, fragte sie leise, „wie viele Fälle wir wohl in unserem Leben lösen werden?“
„Kommt drauf an, wie aufmerksam wir sind“, sagte Ben.
„Und wie viele Leute sich trauen, Hilfe zu holen“, meinte Lynn.
„Und wie oft wir zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort vorbeiradeln“, fügte Filiz hinzu.
Aus der Ferne hörten sie die Glocken einer Kirche läuten. Der Klang hing einen Moment in der Luft, als wolle er sich in der Laubhütte festsetzen.
„Eins weiß ich“, sagte Gloria. „Solange es Menschen gibt, die sich Sorgen machen, gibt es auch Fälle. Und solange es uns gibt, werden wir versuchen zu helfen.“
Der Wind strich durch die Äste. Irgendwo in der Stadt schloss ein Ladenbesitzer seine Tür ab, während anderswo ein Licht in einem Dachfenster anging.
Glorias Bauch kribbelte wieder ein bisschen. Nicht vor Angst, sondern vor Vorfreude.
„Fall 002 abgeschlossen“, sagte Ben feierlich.
„Und irgendwo in Lübeck“, fügte Gloria hinzu, „merkt vielleicht gerade jemand, dass etwas nicht stimmt. Aber das weiß die Fahrradgang noch nicht.“
„Noch nicht“, wiederholte Filiz.
Sie legten wieder ihre Hände übereinander, wie bei ihrer Gründung.
„1“, sagte Gloria.
„2“, sagte Ben.
„3“, sagte Lynn.
„Peng!“, rief Filiz, und ihr Lachen mischte sich mit dem Rascheln der Blätter über ihnen.
Fall 002 war gelöst.
Und das war ganz sicher nicht das letzte Rätsel, das die Ecken von Lübeck für sie bereithielten.

