An der Küste wurde der Tag wach. Möwen zogen ihre Kreise über roten Ziegeldächern, und vom Hafen her roch die Luft ein bisschen nach Salz und Werkzeugöl. Mini saß am Fenster und zählte die Wellenkämme, die der Wind auf das Wasser zeichnete. Heute war Sonntag – der erste freie Tag, seit Papa in der Fahrrad‑Werkstatt angefangen hatte.
„Papa?“ rief sie. „Hast du heute Zeit?“
„Zeit und zwei ölverschmierte Hände“, antwortete Papa und streckte sie grinsend in die Küche. „Die erste Woche war lang. Aber gut.“
Mini nickte. „Dein Fahrrad hat trotzdem gejammert. Es hat quiiietsch gemacht. Wie eine alte Tür im Schloss.“
Papa tat so, als würde er das Quietschen nachmachen. „Das war der Blues meines Rads. Und am Samstag Morgen bin ich sogar auf der Felge in den Hof gerollt. Die Kolleginnen und Kollegen haben mir noch schnell geholfen. Neues Rund in den Reifen, Luft drauf, Feierabend gerettet.“
Mini riss die Augen auf. „Auf der Felge? Auweia! Dann machen wir heute eine Sonntags‑Werkstatt!“
„Abgemacht“, sagte Papa. „Wir bringen mein altes Rad zum Klingen – aber diesmal schön.“
