
Die Sonne stand warm über dem kleinen Hafenort. Schon am frühen Nachmittag wehten Rauchfahnen über den Hof des Altenheims „Sonnenblick“. Es roch nach Bratwürsten, frisch gebackenem Brot und ein wenig nach Holzkohle. Mini lief zwischen Mama und Papa die Dorfstraße entlang. In ihrer Hand hielt sie einen Korb voller Gurkensalat. „Den hat Mama gemacht!“, rief sie stolz. Vor dem Altenheim standen schon Tische mit bunten Decken. Die Bewohner saßen in ihren Stühlen und winkten den Besuchern zu. Einige hatten Strohhüte auf, andere trugen dicke Pullover, obwohl die Sonne kräftig schien.
„Moin, Mini!“, rief Frau Hansen, die älteste Bewohnerin. „Na, bringst du uns wat Leckers?“ Mini blieb kurz stehen. „Wat … was?“ flüsterte sie zu Mama. Mama lächelte. „Sie fragt, ob du etwas Leckeres mitgebracht hast.“ Mini nickte schnell und hielt den Korb hoch. „Gurkensalat! Mit Dill!“ Frau Hansen lachte. „Dat is fein! Denn snack wi glieks all tosam.“ Mini runzelte die Stirn. „Papa …?“ Papa beugte sich zu ihr. „Das heißt: Das ist schön! Dann essen wir gleich alle zusammen.“ Mini kicherte. „Die reden ja ganz anders!“ „Ja“, sagte Papa. „Das ist Plattdeutsch. So haben viele Leute hier früher immer gesprochen.“
Papa half, die Würste auf den Grill zu legen, und bald zischte und knisterte es. „Passt auf, gleich wird’s lecker“, sagte er und drehte die ersten Würstchen. Mini durfte derweil die Brötchen verteilen. Sie legte sie vorsichtig auf die Teller der alten Leute. „Bitte schön!“, sagte sie jedes Mal. Und fast immer kam ein Lächeln zurück. Ein alter Herr mit Schiebermütze beugte sich zu ihr. „Du büst en lüttje Buttje, dat weet ik genau.“ Mini blinzelte verwirrt. „Ein … Büttje?“ Mama lachte leise. „Er hat gesagt: ‚Du bist ein kleines Goldstück.‘“ Mini strahlte. „Das klingt schön!“
Am Abend, als die Sonne tiefer sank, wurde gesungen. Papa stimmte ein altes Lied an, und die Bewohner sangen kräftig mit: „An de Eck steiht ’n Jung mit’n Tüdelband…“ Mini verstand die Wörter nicht alle, aber die Melodie machte sie fröhlich. Sie klatschte im Takt und lachte laut.
Später, als die ersten Teller leer waren, setzte sich Mini neben Frau Hansen. „Hat es dir geschmeckt?“ fragte sie neugierig. Die alte Dame nickte. „Kind, dat weer dat schöönste Fest seit langem. Weetst du, wat dat Wichtigste is?“ Mini sah hilfesuchend zu Papa. Sie sagt: „Das war das schönste Fest seit langem. Und das Wichtigste ist, dass Jung und Alt zusammenkommen.“ Mini nickte ernst. Sie legte ihre kleine Hand in die runzlige Hand von Frau Hansen. „So fühlt sich Familie an“, sagte sie leise. Frau Hansen drückte ihre Hand fest. „Jo, mien lüttje. Genau so.“


