Von Königen und Narrenfreiheit
Es gibt in jeder Firma diese besonderen Typen: Kolleginnen und Kollegen, die meinen, sie wären mit einer unsichtbaren …

Es gibt in jeder Firma diese besonderen Typen: Kolleginnen und Kollegen, die meinen, sie wären mit einer unsichtbaren Krone zur Arbeit gekommen. Sie haben das Gefühl, die Regeln gelten für alle anderen – aber doch bitte nicht für sie selbst. Manchmal kommen sie zu spät, manchmal verlassen sie mitten im größten Trubel das Spielfeld – und manchmal fühlt es sich an, als ob sie sich im eigenen Königreich bewegen. Wer das anspricht, bekommt dann auch mal eine patzige Antwort: „Jetzt halt doch mal den Ball flach!“ oder „Was mischst du dich ein, du hast doch Feierabend!“. Alles schon gehört, alles schon erlebt – und zwar branchenübergreifend, egal ob in der Gastronomie, im Handwerk oder im Büro.
Solche „Königs-Kollegen“ sind oft gar nicht von Natur aus böse Menschen. Häufig haben sie einfach lange an einem Ort gearbeitet oder in einer Position, wo sie sich gewisse Freiheiten angewöhnt haben. Vielleicht waren sie vorher der Sohn oder die Tochter vom Chef in einem anderen Betrieb, oder sie haben sich mit den Jahren ein Netz aus Sonderrechten und Narrenfreiheit gewebt. Und klar: Wenn dann neue Mitarbeitende ins Team kommen, die gut organisiert arbeiten, die Strukturen schaffen wollen und vielleicht sogar noch ein gutes Verhältnis zum Chef haben – dann fühlt sich das für so jemanden schnell wie eine Bedrohung an. Dann werden die Krallen ausgefahren, gerne auch verbal, und die alte Hierarchie verteidigt. Für Chefs ist das eine besonders undankbare Situation: Man will den Laden am Laufen halten, ist froh, überhaupt jemanden zu haben – und hat doch überhaupt keine Lust auf interne Machtkämpfe, die das Klima vergiften.

Doch genau hier zeigt sich, wie wichtig es ist, als Führungskraft die Zügel in die Hand zu nehmen. Klarheit ist das Zauberwort. Sonderrechte, die sich über Jahre eingeschlichen haben, müssen auf den Prüfstand. Pünktlichkeit? Gilt für alle. Respektvoller Umgang? Pflicht für jeden. Wer das nicht einfordert, verliert nicht nur den Überblick, sondern auch den Respekt des gesamten Teams.
Und mal ehrlich: Nur weil jemand früher der „Dauerspieler“ in der Firma war, heißt das noch lange nicht, dass er sich heute noch alles erlauben darf. Chefs, die hier wegsehen, riskieren viel – nämlich ein Team, das sich spaltet und in Grüppchen zerfällt. Die Einen rackern, die Anderen verbraten sinnlos Arbeitsstunden.

Ein weiteres Phänomen, das sich in diesem Zusammenhang oft zeigt: die ewigen „Feuerwehrleute“ im Team. Das sind die, die bei jeder Panne sofort loslegen, wild herumschrauben, hier ein bisschen flicken, da ein Kabel ziehen – und nach dem dritten oder vierten Versuch läuft es dann irgendwie wieder. Für den Moment zumindest. Langfristig? Da wird aus einem kleinen Problem oft ein größeres, weil Ursachen nicht nachhaltig behoben werden. Die Maschinen, Projekte oder Prozesse laufen von Notlösung zu Notlösung – und der eigentliche Brandherd schwelt fröhlich weiter.
Daneben gibt es die Kolleginnen und Kollegen, die genau hinschauen, analysieren, dokumentieren, langfristige Lösungen erarbeiten. Die wollen nicht nur den Alarm ausschalten, sondern das Feuer löschen – nachhaltig und gründlich. Aber diese Leute wirken dann oft „langsam“, „übergenau“ oder „bürokratisch“ in den Augen derer, die am liebsten gleich den Schlauch draufhalten und gut ist. Ein Chef, der das Team gut führen will, erkennt beide Stärken – und sorgt dafür, dass die Qualitäten sich ergänzen, statt dass die eine Seite die andere bekämpft. Das funktioniert aber nur, wenn klare Regeln herrschen und alle sich daran halten. Sonst gewinnt am Ende der Lauteste, aber nicht das Team mit seien Aufgaben.

Und genau hier kommt das große Thema „Loslassen können“ ins Spiel. Viele Chefs klagen, dass sie keine Zeit haben für die wirklich wichtigen Aufgaben – weil sie ständig selbst eingreifen, alles im Blick behalten wollen oder glauben, nur sie können die Dinge richtig regeln. Aber wahre Führung bedeutet auch, Verantwortung abzugeben. Klar definierte Verantwortlichkeiten und Prozesse entlasten den Chef und stärken das Team. Wer es schafft, Aufgaben zu delegieren, klare Zuständigkeiten zu schaffen und regelmäßig Feedback einzuholen, wird erleben, dass der Laden plötzlich läuft – ohne dass man selbst jeden Tag das Feuerwehrkostüm anziehen muss.
Loslassen ist schwer, keine Frage!
Aber am Ende lohnt es sich doppelt: weniger Stress und ein Team, das eigenständig denken und handeln muss. Und das Beste: Man kann sich wieder auf die Dinge konzentrieren, die wirklich zählen – statt ständig nur Lückenbüßer für Kollegen zu sein, die sich für den König des Betriebs halten und dadurch viele Prozesse verlangsamen.
Fazit: König sein ist vorbei – es leben die Regeln!

Ob im Handwerksbetrieb, im Büro oder in der Gastronomie: Ein Team funktioniert nur, wenn die Spielregeln für alle gleich gelten. Sonderrechte, die sich eingeschlichen haben, müssen abgebaut werden – auch wenn das manchmal unangenehme Gespräche bedeutet. Respekt, Pünktlichkeit, klare Übergaben und eine offene Kommunikation sind die Grundpfeiler für ein funktionierendes Miteinander. Chefs, die das beherzigen und den Mut haben, Verantwortung abzugeben und die Zügel zu straffen, werden nicht nur weniger Stress haben – sondern auch ein Team, das wirklich zusammenarbeitet. Und die, die meinen, sie könnten sich mit der Krone ausruhen? Die werden merken: Auch Königreiche brauchen Regeln, sonst bricht das Schloss irgendwann zusammen.
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